Technik

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Nach der Erfindung des Prinzips der Gradierung haben die Salzsieder die Technik der Gradierwerke im 16. und 17. Jahrhundert perfektioniert. Schnell erkannte man, dass sich Schwarzdornreisig vorzüglich für die Bestückung der Rieselwände eignet. Das Holz hat einen geringen Säuregehalt, ist feingliedrig und verliert seine Rinde nicht. Die Schwarzdornbündel wurden übereinander gelegt, sodass die bekannten Gradierwände entstanden.

Natürlich konnte man die Bündel nicht einfach übereinander legen und dann von oben Sole über die aufgeschichteten Dornen leiten. Es mußte ein Holzwerk konstruiert werden, welches die ganze Sache zusammen hielt. So entwickelten sich im Laufe der Zeit in Europa verschiedene Bauweisen, die nach ihrem Konstrukteur oder der Herkunft benannt wurden. Man war bestrebt, möglichst effektive Bauwerke zu errichten.

Als Baumaterial für die Gradierwerke wählt man in der Regel Nadelholz. Durch die ständige Berieselung der Balkenkonstruktion mit Sole wird das Holz im Laufe der Jahre konserviert und kann hunderte Jahre überdauern. Lediglich im oberen Bereich der Gradierwerke, der den ständigen Witterungseinflüssen ausgesetzt ist, ist von Zeit zu Zeit ein Austausch der Hölzer erforderlich. Man verwendet hier Lärchenholz, welches harzreich ist und daher dem Regenwassereinfluss besser standhält. Aber trotzdem sind manche Hölzer schon nach wenigen Jahren zu erneuern.

Die Technik der Berieselungsvorrichtungen und der Pumpenanlagen wurde verfeinert. Größtes Problem war zumeist die Energiegewinnung zum Betreiben der Pumpen mit denen die Sole auf das Gradierwerk gepumpt werden mußte. Hierzu dienten in den meisten Fällen Wasser- oder Windräder, zu damaliger Zeit Wind- und Wasserkünste genannt. Den Wasserkünsten gab man in der Regel den Vorzug, da der Wind ein unsicheres Medium ist. Aber nicht immer stand ein Bach oder Fluss zur Verfügung, in den man ein Wasserrad einsetzen konnte.

Hier in Bad Rothenfelde gab es im 16. Jahrhundert, als das „Alte Gradierwerk“ gebaut wurde, ein Wasserrad, welches die Pumpen antrieb. Es befand sich gegenüber der heutigen Sparkasse. Die Energie, die mit dem Wasserrad gewonnen wurde, übertrug man mit einem sogenannten „Feldgestänge“ zum Gradierwerk.

Das Gestänge und auch das Wasserad sind leider nicht mehr erhalten. Zeitweise hat eine Windmühle nach holländischer Bauart gegenüber der Sparkasse gestanden, die zum Antrieb der Pumpen genutzt wurde.

Eine andere, wenn auch unsichere Möglichkeit ist die Nutzung der Windenergie zum Betreiben der Pumpen. 1818, als der Salineninspektor Carl Ludwig Schloenbach den Bau des Neuen Gradierwerks plante, hatte er vor, den etwa zwei Kilometer entfernten Mühlenbach zur Energiegewinnung zu nutzen. Leider gab es Probleme mit den Eigentümern des Baches, sodass der Plan verworfen wurde. Schloenbach entschied sich daher für die Installation von drei Windkünsten auf dem Neuen Gradierwerk, um die Pumpen betreiben zu können.

Allen Skeptikern zum Trotz verwirklichte er sein Vorhaben und konnte nachweisen, dass es möglich war, den Gradierbetrieb mittels Windkraft zu bewerkstelligen. Schloenbach hatte eine einfache Formel gefunden: „Wenn die Winde gehen, ist gutes Gradierwetter und dann laufen auch die Künste“. Er hatte Recht - der Wind trägt zu einer guten Verdunstung bei. Herrscht Windstille, verdunstet Wasser deutlich schlechter. Die Älteren unter uns wissen das aus der Zeit, als es noch keine elektrischen Wäschetrockner gab - bei Wind hatte es die Hausfrau einfacher mit dem Wäschetrocknen.

Die so auf das Gradierwerk gepumpte Sole sammelte man, auch heute noch, in einem großen Solebehälter der kastenförmig über die gesamte Länge des Gradierwerks verlegt wurde. Von diesem zentralen Sammelbehälter führen Stichleitungen, die mit hölzernen Bierhähnen regulierbar sind, zu den Tröpfelrinnen, von denen die Sole auf die Dornenwand abtropft.

Die Verrieselungsanlage muss ständig kontrolliert werden. Von Zeit zu Zeit setzen sich die Hähne zu und der Zufluss wird unterbrochen. Alle Leitungen, die zur Verrieselungsanlage gehören, werden aus Holz hergestellt. Metall, von Edelstahl einmal abgesehen, würde rosten und so die Sole verunreinigen. In der Sole sind außer Salz weitere Mineralien enthalten, die sich zum Teil auch an den Rohren und Hähnen absetzten. Zum größten Teil werden sie aber beim Verrieseln ausgeschieden und bilden so den Dornstein, der sich an den Schwarzdornzweigen der Gradierwand niederschlägt.

Im Rhythmus von ca. 20 Jahren muss die Dornenwand erneuert werden. Dann hat sich an den Zweigen derart viel Niederschlag abgesetzt, dass eine einwandfreie Verrieselung nicht mehr möglich ist. Die Sole läuft dann an den Wänden herunter, ohne dass die Tropfen aufplatzen und so für das gesunde Klima an den Gradierwerken sorgen. Die Gradierwerke werden schon lange nicht mehr für die industrielle Salzgewinnung genutzt. Bis auf eine Ausnahme gibt es (Stand 2014) in Deutschland keine Pfannensaline mehr, die Salz produziert.

Gradierwerke dienen heute zur Anreicherung der Luft mit Salzpartikeln in Kurorten, wie Bad Rothenfelde. Schon vor über 200 Jahren entdeckte man, dass die Luft im Umfeld der Gradierwerke, genau wie Seeluft, gesund für die Atemwege des Menschen ist. Es gibt daher inzwischen schon Neubauten von Gradierwerken, die zu eben diesem Zweck errichtet wurden.

Seit nunmehr acht Jahren hat sich eine völlig neue Nutzung der Gradierwände entwickelt. Man hat festgestellt, dass sich mit der heutigen Technik Projektionen an den Wänden der Gradierwerke realisieren lassen. So entstand die „lichtsicht – Projektions-Biennale“, die alle zwei Jahre in Bad Rothenfelde stattfindet und 100-tausende Besucher anlockt.

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