Kunst im Test

Kunst im Test

Kunst im Test - Testprojektionen zur lichtsicht 5 Projektions-Biennale in Bad Rothenfelde

Wer in den Nächten vom 15. – 18.3.15 an den Gradierwerken in Bad Rothenfelde einen Spaziergang unternommen hat, wird sie gesehen haben, die Testprojektionen zur lichtsicht 5.

Den Anfang machte am Sonntag, 15.3. das US-amerikanische Theatergenie und Mul- titalent ROBERT WILSON. Er testete seine "Video-Portraits" auf den von Salzwasser be- rieselten Schwarzdornwänden, eine Werkreihe die mittlerweile über 60 Porträts von „Ce- lebrities, Freunden von Wilson und auch Tieren“ umfasst. Die organische Textur der Projektionsfläche und deren Dimension von 11 m Höhe und ca. 1 km Länge machen den ganz besonderen ästhetischen Reiz aus, sind aber auch eine technische Herausfor- derung. Wilson versteht sich als Maler des Lichts in Bewegung, „I am a painter of light.“

Danach testete HOLGER FÖRTERER seinen interaktiven "Feuerwall". Sein Konzept baut auf die Spiellust der Smartphone-Generation. Mit einer App kann sich jedermann visuell einbringen. Fotos vom eigenen Handy können auf die „brennende“ Schwarzdornwand geladen werden. Sie fangen in der Projektion Feuer und verbrennen. Gleichzeitig wer- den sie vom eigenen Handy-Fotoarchiv unwiederbringlich gelöscht. „Diese Arbeit hat mit Abschied und Loslassen zu tun. Ich möchte damit die Lust am digitalen Vergessen und am persönlichen Erinnern anregen“ erklärt Holger Förterer seine Arbeit.

WILLIAM KENTRIDGE, der im Herbst letzten Jahres schon in Bad Rothenfelde war, um sich ein Bild von den historischen Gradierwerken zu machen, schickte seinen Assistenten Janus Fouché aus Johannesburg nach Bad Rothenfelde. In seiner performativen, hoch- komplexen Arbeit zeigt Kentridge Menschen, die tanzen, musizieren, Bilder hochhalten, Fahnen schwenken, aber auch Skelette und Kranke in einer Art Schattenriss-Prozession. Dabei lässt die Arbeit an viele Formen der Prozession vom Motiv des Totentanzes bis hin zum aktuellen Phänomen des globalen Massenprotestes denken.

Weiter gingen die Tests mit der interaktiven Lichtskulptur LASACT der Künstler Daniel Becker, Michael König, David Murmann, Alexander Rechberg und Adrian Rennertz. Sie gibt den Besuchern auf der Stirnseite des Gradierwerks die Möglichkeit, eine Laser-Projektion per Smartphone künstlerisch zu beeinflussen. Über ein freies WLAN können sich die mobilen Geräte einwählen. Durch Tippen, Wischen und Wackeln lassen sich sowohl die Lichtstrahlen als auch die Musik steuern.

In der audiovisuellen Installation Marathon der Tiere der Künstlerin ROSALIE erschei- nen Visualisierungen von Tieren in einem breitgefächerten Spektrum von Realbildern bis hin zu komplexen Animationen von technisch-wissenschaftlichen Datenmaterialien, die zu eigenen künstlerischen Notationsformen werden. Das Schöpfungsalphabet der Tiere entfaltet sich in einem künstlerischen Experimentallabor zu einer virtuellen Matrix und Vernetzung als Versuchsanordnung permanenter gestalterischer Evolution in ihren Metamorphosen.

Neben den monumentalen Gradierwerken bietet eine Wand aus Wasser eine sehr viel lebendigere Projektionsfläche. Auf der Fontäne am Ende der Schwarzdornwand lässt EYAL GEVER eine Performerin auf dem Wasser tanzen und erschafft so eine fast geisterhafte Erscheinung. Der aus Israel stammende Künstler bringt das Element Wasser virtuell und real durch seine Computer-Simulation in Bewegung.

Zuletzt testete TIM OTTO ROTH seine „anaglyphische Projektion“, die u. a. den Schat- tenwurf der Salinenstraße in Bad Rothenfelde simuliert. Was einfach betrachtet schon ein beeindruckendes Bild ist, wird mit Hilfe einer Anaglyphen-Brille mit blauem und rotem Glas zu einem dreidimensionalen Erlebnis.

Befragt nach dem Thema, dem Konzept des künstlerischen Leiters PETER WEIBEL, Direktor des Zentrums für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) für die lichtsicht 5, antwortet Idis Hartmann, persönliche Assistentin von Peter Weibel: „Neben den neu- esten künstlerischen Entwicklungen der Projektionskunst, die z. B. interaktiv ist und mit Medien wie dem eigenen Smartphone der Besucher verknüpft werden kann oder aber mit neuesten Computersimulationstechniken arbeitet, ist das Thema Porträt eine große Klammer. Für Bad Rothenfelde wurden neue Arbeiten geschaffen bzw. neue Komposi- tionen aus großen Werkkomplexen, wie bei Robert Wilson. Vom klassischen Portrait über das Tierportrait bis zum Selfie ist alles dabei.“

Die lichtsicht 5 Projektions-Biennale ist zu erleben vom 18.9.2015 bis 7.2.2016 in Bad Rothenfelde bei Osnabrück. Wir bitten um Veröffentlichung.

Download für Fotos:
https://www.dropbox.com/sh/se1e5rkoh234816/AACor7Y7_wW9Noah0iqajqUwa?dl=0
Foto Credits: Angela von Brill

Pressekontakt:
Sabine Weichel, lichtsicht@sabineweichel.de
Kerstin Kollmeyer, KKollmeyer@lichtsicht-biennale.de

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