Interview mit Prof. Dr. h.c. mult. Peter Weibel

lichtsicht 5 – Projektions-Biennale
18.  September 2015 – 7. Februar 2016 

Interview mit Prof. Dr. h.c. mult. Peter Weibel, Künstlerischer Leiter der lichtsicht 5 – Projektions-Biennale,
Die Fragen stellte Sabine Weichel

Herr Weibel, warum haben Sie gerade diese Arbeiten für die lichtsicht 5 – Projektions-Biennale ausgewählt?

Ziel der lichtsicht 5 – Projektions-Biennale ist es, die Projektionskunst als auto- nome Kunstgattung weiter zu etablieren und vor allem, das neue Spektrum der Projektionskunst auf der Höhe der künstlerischen und technischen Entwicklung zu zeigen. Die Auswahl der Arbeiten hat sich an diesem Ziel ausgerichtet.

Gibt es eine inhaltliche Verbindung der Arbeiten untereinander? Was ist die kuratorische Klammer der diesjährigen Biennale? Wie unterscheidet sich Ihr kuratorischer Ansatz von dem des vorhergehenden künstlerischen Leiters, Manfred Schneckenburger?

Es werden die aktuellsten technischen Verfahren wie projection mapping, usergenerated content, 3D-Simulationen, Wasserskulpturen, interaktive Laser- und Schattenprojektionen von weltberühmten Künstlern eingesetzt, um Themen der zeitgenössischen Welt, von der Celebrity Culture bis zum Artensterben, von postkolonialer Migration bis zur freiwilligen Totalüberwachung durch Selfies, von Makrouniversen bis zu Mikroorganismen, in beeindruckenden und Staunen erregenden Bildern und Tönen darzustellen. Diese digitalen Visionen setzen klassische Topoi, die wir aus der Porträtmalerei, aus der Geschichte des Films und der Videokunst kennen, in überraschender und überzeugender Weise fort. Der Ansatz ist der gleiche wie der von Manfred Schneckenburger, nur aktualisiert: Bei der lichtsicht 5 finden sich neben „klassischen“ Videoprojektionen mehr interaktive und partizipative Arbeiten (Random International, LASACT, Holger Förterer) als in den vorangegangenen Biennalen. Weiterhin gibt es zwei Arbeiten, die mit 3D-Bildern arbeiten, Eyal Gever, der eine 3D-Simulation auf die Fontäne im Park projiziert und Tim Otto Roth, bei dem eine 3D-Anaglyphenbrille zum Einsatz kommt. Es werden virtuelle Räume zum Thema acht, bei der Arbeit LASACT und der Arbeit von Random International, wo der Besucher im realen, aber auch im digitalen Raum agiert, Daniel Crooks und Eyal Gever erschaffen virtuelle Räume, die nur dort so erscheinen können. Holger Förterer beschäftigt sich kritisch mit dem Umgang mit persönlichen Daten. Rosalie und Ryoji Ikeda arbeiten mit wissenschaftlichen digitalen Daten.

Wie ordnen Sie die Bedeutung von Projektionskunst in den Gesamtkontext zeitgenössischer Kunst ein? Gibt es neue Tendenzen in diesem Kunstbereich, die sich in der diesjährigen lichtsicht widerspiegeln und wo sehen sie die Zukunft für Projektionskunst?

Als neuen Schwerpunkt könnte man auch die Einladung von KünstlerInnen se- hen, die im Bereich von Kunst und Wissenschaft und deren Synthese arbeiten, wie etwa Ryoji Ikeda, der wissenschaftliche Daten des Universums, die mithilfe wissenschaftlicher Apparate gewonnen wurden, audiovisuell erfahrbar macht, wie Random International, die mit der Mensch-Maschine-Beziehung arbeiten oder rosalie, die wissenschaftliche Röntgenvideobilder einsetzt. Es handelt sich hier um den Wandel von der sprachbasierten zur werkzeugbasierten Kultur. Insofern spiegelt sich mehr als zuvor die Entwicklung der digitalen Medienkunst in der Auswahl wider.

Wie konnten Sie sie so namhafte Künstler, wie William Kentridge oder Robert Wilson überzeugen, Ihre Arbeiten in Bad Rothenfelde, also am Rande er Kunstmetropolen, zu zeigen?

Ich habe mit einer Großzahl der Künstler bereits in den 1990er-Jahren gearbeitet, bevor sie berühmt geworden sind. Ich habe sie gewissermaßen entdeckt, zumindest für den europäischen Raum. Durch meine Ausstellungen, beispiels- weise in Graz, ist dann die internationale Kunstwelt von der documenta bis zu den Biennalen aufmerksam geworden. Ich war gewissermaßen Karrierehelfer. Dadurch entsteht eine berufsbedingte Amikalität und Verbundenheit.

Was ist die besondere Herausforderung, Projektionen auf dem organischen Material der Gradierwerke, also in einem gigantischen Freilichtmuseum zu zeigen?

Die richtige Form zu finden, für ein Publikum, das nicht aus professionellen Arthouse- und Museumsbesuchern besteht.

Sie vereinen auf sich ja nicht nur die kuratorische Tätigkeit, sondern sind auch selbst Künstler. Wäre es für Sie eine Herausforderung, selbst eine künstlerische Arbeit in Bad Rothenfelde zu zeigen?

Ich bin zufrieden mit meiner kuratorischen Tätigkeit. Es gibt so viele gute KünstlerInnen auf der Welt, dass es auf einen mehr oder weniger nicht ankommt. Selbstverständlich wären meine eigenen Arbeiten, die ich Expanded Cinema nannte, für die Auffassung von Projektionskunst, die Manfred Schneckenburger Expanded Projections nannte, sehr geeignet.

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